Juden-Schlesien

 

Bericht über das Spielfest der Schule VI am 27.August d.J.    

Königshütte, den 16.Oktober 1907.    

    

Am Dienstag den 27.August d.J. fand das diesjährige Spielfest der Schule VI bei schönster Witterung in Bismarckhütte im Kowatz'schen Garten statt(am Hotel>Zum Eisernen Kanzler<, schon Eigentum von Louis Goldstein, groß und verschönt auch von der Rawa-Flußwindung).    

In edler Weise hatten  einzelne Mitglieder der jüd.Gemeinde 25 M für Musik und 9 M für warmes Abendbrot gespendet.    

 Der Abmarsch erfolgte um 11/2 Uhr unter Vorantritt von 6 Musikanten. Nach 1/2ständigen Marsch kamen die Schüler wohlgeordnet in dem genannten Garten an. Zuerst wurden sie mit Kassen und Kuchen erfrischt, wozu alle 20 Pfg. mitgebracht hatten.  Dann wurde frisch und fröhlich gespielt. Frl.Walter spielte hauptsächlich mit den Kindern der III Klasse die gelernten Sing- und Kreisspiele. Herr Abraham leitete die Mädchen der I u.II Klasse an, ihre Spiele vorzunehmen, die hauptsächlich in Laufspielen, Reigen und Tamburinball bestanden. Der Unterzeichnete spielte mit Knaben der I und II Klasse in 2 Abteilungen und zwar spielten die Kinder fast durchweg selbständig. Mit Vorliebe wurde Schleuder-, Kriegs- und Tamburinball gespielt.  Viele Eltern - eine sonst seltene Erscheinung - hatten sich eingefunden, um an der Freude ihrer Kinder teilzunehmen.    

Einige Gäste suchten diese Freude dadurch zu erhöhen, dass sie selbst Geschenke unter die Kinder verteilten. In Zukunft wird das besser von den Lehrern vorgenommen.    

Gegen 5 Uhr marschierten die Kinder zu der aufgestellten Feld-Küche, um je ein Paar warme Würstchen und eine Semmel in Empfang zu nehmen.    

Kurz vor dem Abmarsch hielt Herr Abraham eine Ansprache an die Schüler, worin er dieselben zur Dankbarkeit gegen alle, die ihnen diese Freude bereitet hätten auffordete. Sie sollten sich gegen Stadtverwaltung, Eltern, Lehrer und Gönner erkentlich erweisen, indem sie sittsam und fleißig wären und später gute Bürger unseres Vaterlandes würden.    

Seine Rede schloss mit einem Hoch auf unseren pflichttreuen, geliebten Herrscher. Nach dem Absingen der National-Hymne traten die Schüler den Rückmarsch nach Königshütte an, wo wir gegen 7 Uhr ankamen. Kein Mißton hat das Spielhaft gestört.    

Die Verteilung der Spiel-Prämien an die eifrigsten Spieler erfolgt mit Rücksicht auf die regelmäßige Beteiligung an den Spielstunden erst am Sonntag, den 29.September im Schulhofe.    

    

An die Schul-Deputation Hierselbst.  

Grünewald, Hauptlehrer. 

 

 


 

Bericht über das Spielfest der Schule VI.

Königshütte, den 27.August 1908.

 

 Das Spielfest der Schule VI fand am Mittwoch den 24.Juni gemeinschaftlich mit (evangelischer) Schule IX statt und zwar auf Redenberge(beliebter Festpark mit Konzerthalle und Denkmale von Graf Reden hierselbst).

 Von privater Seite wurden mir 30 M zur Verfügung gestellt, die ich zu Geschenken für die Kinder verwendete.

 Von die seitens der Stadtverwaltung gütigst bewilligten 18 M wurden 6,65 M für Musik und Speisung armer Kinder verbraucht, für den Rest werden Spielprämien gekauft, die Ende September zur Verteilung gelangen.

 Das Fest verlief bei schönstem Wetter in harmonischer Weise.

 

An die Schuldeputation Hier.

Grünewald, Hauptlehrer.

 

 


 

Bericht über das Spielfest der Schule VI.

Königshütte, den 9.September 1909.

 

 Am 26.August unternahm Schule VI statt des sonst üblichen Spazierganges, von schönem Wetter begünstigst, eine Wagenfahrt nach dem Bien(en)hof(Park bei Laurahütte).

 Die dazu nötigen drei Wagen waren der Schule bis auf das den Kutschern zu zahlende Trinkgeld umsonst zur Verfügung gestellt worden. Infolge dessen konnten die Kinder besser als sonst bewirten werden. Auf Musik hatten wir allerdings verzichten müssen.

Die Kinder machten einen Spaziergang an die russische Grenze und spielten dann recht eifrig bis zum Dunkelwerden. Die Festrede hielt Lehrer Abraham. Um 81/2 Uhr langten die Kinder unter fröhlichem Gesang ohne Unfall wieder hieran.   Der Unterzeichnete hatte wegen einer Konferenz, die der Herr Kreisschulinspektor anberaumt hatte, schon vorher den Festplatz verlassen müssen.

 Die von der Schuldeputation gütigst gewährten 18 M sind bis auf  4,40 M für Verpflegung der Kinder und Trinkgelder verbraucht worden.

 Der Rest ist zu den bewilligen 5 M für Turn- und Spielprämien geschlagen und wird mit diesem Ende dieses Monats zur Verteilung gelangen.

 

An die Schuldeputation Hier.

Grünewald, Hauptlehrer.

 

 


 

Bericht über das Spielfest der Schule VI.

Königshütte, den 22.September 1910.

 

 Der Schuldeputation berichte ich, dass das Spielfest der Schule VI gemeinsam mit (evangelischer) Schule IX am Freitag den 1.Juli auf dem Redenberge abgehalten wurde.

 Das Fest war vom schönstem Wetter begünstigst und verlief ohne Unfälle.   Der dafür bewilligte Betrag von 18 M wurde für die Bewirkung der Kinder verwendet.

 

An die Schuldeputation Hier.

Grünewald, Hauptlehrer.

 

 


 

Betrifft Schulspaziergang der Schule VI.

Königshütte, den 25.Juni 1912.

 

 Der Schuldeputation zeige ich hierdurch an, dass das Spielfest der Schule VI am 27.cr. in Maly's Garten in Schwientochlowitz stattfindet.

 

An die Schuldeputation Hier.

Grünewald(, Hauptlehrer).

 

 

 

 


 

 Bewerbung des Lehrers Louis Abraham aus Königshütte um die Hauptlehrerstelle an der jüdischen Schule.

Königshütte, d.7.Juni 1907.

 

Unterzeichneter erlaubt sich hiermit, sich um die zu besetzende Hauptlehrerstelle an der jüdischen Schule zu bewerben.

 Ich, Louis Abraham wurde am 22.Februar 1863 zu Danzig geboren. 1870 zogen meine Eltern nach Berlin. Hier besuchte ich zuerst die jüdische Gemeinde-Knabenschule und dann die Sophien-Realschule erster Ordnung[daher jetzt Sophien-Realgymnasium] bis Ober-Secunda. Von 1879-82 war ich Zögling der jüdischen Lehrer-Bildungs-Anstalt zu Berlin und bestand am 21.April 1882 die Prüfung für das Elementar-Lehramt. Das Zeugnis behufs definitiver Anstellung erhielt ich in Oppeln am 29.April 1887.

 Nach dreijähriger privater Tätigkeit übernahm ich am 1.Mai 1885 die Lehrerstelle an der einklassigen jüdischen Schule zu Sohrau O./S. Am 1.November 1893 wurde ich nach Königshütte berufen, wo ich jetzt noch bin.

 Von in pädagogischen Zeitschriften veröfentlichten Aufsätzen sei genannt >Comenius und Pestalozzi< abgedruckt in der Allgemeinen Deutscher Lehrerzeitung.[Wurde mit einem Preise gekrönt.]

 Die Original-Zeugnisse liegen diesem Gesuche bei.

 In der Hoffnung günstigen Bescheides zeichnet(in schöner Deutschen Schrift)

Hochachtungsvoll

 

Louis Abraham, Lehrer

Lobestr.3  II.    

     


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